Die Folgen der Globalisierung auf den EU-Arbeitsmarkt
Wie die Europäische Union von der Globalisierung profitiert und wie sie mit negativen Auswirkungen auf die Beschäftigung umgeht.
Die Globalisierung schafft neue Arbeitsplätze, kann jedoch auch zum Stellenabbau führen. Die Europäische Union hat sich daher das Ziel gesetzt, die sich durch die Globalisierung ergebenden Möglichkeiten bestmöglich zu nutzen und gleichzeitig ein soziales Europa zu schaffen, das Arbeitnehmer im Falle von Entlassungen dabei unterstützt, eine neue Arbeitsstelle zu finden.
Neue Jobchancen durch die Globalisierung
Die Zahl der Arbeitsplätze, die direkt oder indirekt von EU-Exporten in Länder außerhalb der Union abhängen, nimmt kontinuierlich zu. Sie stieg von 21,7 Millionen Arbeitsplätzen im Jahr 2000 auf 38 Millionen Arbeitsplätze im Jahr 2019. Jeder fünfte Arbeitsplatz in der EU hängt von den Ausfuhren ab.
Neue Arbeitsplätze können sich nicht nur in exportierenden Unternehmen ergeben, sondern auch in den Firmen, die Waren und Dienstleistungen an sie liefern.
In Deutschland beispielsweise hängen 7,7 Millionen Arbeitsplätze von Exporten in Nicht-EU-Länder ab. Dank des EU-Binnenmarkts haben weitere 1,2 Millionen Deutsche einen Arbeitsplatz, der durch Exporte anderer EU-Länder in Drittstaaten gesichert wird. Insgesamt sind 20 Prozent der Arbeitsplätze in Deutschland auf EU-Exporte angewiesen.
Österreichische Exporte in Nicht-EU-Länder sichern wiederum 585.000 Arbeitsplätze im Land. Weitere 187.000 Österreicher haben eine Stelle, die mit Exporten anderer Mitgliedstaaten in Drittstaaten in Verbindung steht. Insgesamt 17 Prozent der Jobs in Österreich werden durch Ausfuhren der EU gesichert.
Der Anteil hochqualifizierter Arbeitnehmer in exportbezogenen Jobs steigt. Arbeitsplätze, die mit Exporten in Verbindung stehen, werden zudem im Schnitt um 12 Prozent besser bezahlt als andere Jobs.
Negative Auswirkungen der Globalisierung auf die Beschäftigung
Die Globalisierung bringt mehr Wettbewerb mit sich, was wiederum zur Schließung von Unternehmen, Standortverlagerungen (Offshoring) und Arbeitsplatzverlusten führen kann.
Die am stärksten gefährdeten EU-Sektoren, wie die Textil- und Bekleidungsbranche, die Schuh- und Lederwarenindustrie, die Metallerzeugung und -bearbeitung und die verarbeitende Industrie, sind vorwiegend durch Arbeitsplätze mit niedrigeren Qualifikationsanforderungen gekennzeichnet.
Vor allem Produktionsbetriebe sind durch die Konkurrenz aus Niedriglohnländern dem Risiko des Offshoring (der Verlagerung der Produktion in andere Länder) ausgesetzt.
Durch die COVID-19-Pandemie wurde deutlich, wie wichtig es ist, die Produktion in kritischen Bereichen und von systemrelevanten Produkten, wie zum Beispiel Medikamenten, zurück nach Europa zu verlagern.
Der Trend zum Offshoring verschiebt sich; zunehmend ist dieser Prozess statt in westlichen Mitgliedsstaaten in den osteuropäischen Ländern zu beobachten. Die Zielländer liegen in Nordafrika und Asien.
Während die Gesamtergebnisse der Liberalisierung des internationalen Handels positiv zu werten sind, sind einige Sektoren stark betroffen und die Dauer des Anpassungszeitraums, den Arbeitnehmer für die Verlagerung in andere Sektoren benötigen, kann die eigentlichen Vorteile mindern.
Europäischer Fonds für die Anpassung an die Globalisierung (EGF)
Der Europäische Fonds für die Anpassung an die Globalisierung wurde 2006 geschaffen, um den negativen Auswirkungen der Globalisierung und dem Problem der Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken. Mit dem Fonds sollen entlassene Arbeitnehmer unterstützt werden, die ihren Arbeitsplatz aufgrund der Folgen der Globalisierung verlieren.
Der Solidaritätsfonds kofinanziert die Kosten von Projekten, mit denen Arbeitnehmern dabei geholfen wird, einen neuen Job zu finden oder ein eigenes Unternehmen zu gründen. Die vom EGF unterstützten Maßnahmen beinhalten Ausbildung und Umschulung, Berufsberatung, Hilfestellung bei der Arbeitssuche, Betreuung und Coaching und Förderung von Unternehmensgründungen.
2009 wurde der Anwendungsbereich des Fonds ausgedehnt, um auch Arbeitsplatzverluste infolge großer Strukturveränderungen, die auf die Wirtschafts- und Finanzkrise zurückzuführen sind, abzudecken. Im April 2021 stimmten die Mitglieder zu, die Regeln zu aktualisieren, damit der Fonds genutzt werden kann, um mehr europäischen Arbeitnehmern zu helfen.
Der Globalisierungsfonds kann in diesen Fällen verwendet werden:
- wenn mehr als 200 Arbeitnehmer von einem einzigen Unternehmen (einschließlich Lieferanten) entlassen werden
- wenn zahlreiche Arbeitnehmer in einem spezifischen Bereich in einer oder mehreren benachbarten Regionen ihre Arbeit verlieren
- zur Förderung der Gründung eines Unternehmens oder der Übernahme von Unternehmen durch Arbeitnehmer mit einem einmaligen Betrag von 22.000 EUR
- zur Förderung von Sondermaßnahmen, wie z. B. dem Kinderbetreuungsgeld, das Eltern in Anspruch nehmen können, wenn sie an einer Ausbildung teilnehmen oder einen Arbeitsplatz suchen
Seit 2007 wurden über den EGF 687,7 Millionen Euro bereitgestellt, um rund 170.000 entlassenen Arbeitnehmern zu helfen.
So wurden beispielsweise 1,2 Millionen Euro für 303 entlassene Arbeitnehmer in Spanien und 1,9 Millionen Euro für 559 Arbeitnehmer in Belgien bereitgestellt.