Nachhaltige Versorgung mit kritischen Rohstoffen ist entscheidend für die EU-Industrie

Die Abgeordneten wollen, dass Europa weniger abhängig von der Einfuhr kritischer Rohstoffe ist, die für seine strategischen Industrien von entscheidender Bedeutung sind

Ein Mann arbeitet an Photovoltaik-Paneelen  in einer Fabrik in Tourouvre, Nordwestfrankreich, während des Beginns der Arbeiten für den Bau der ersten Solarstraße, am 24. Oktober 2016. Für die Herstellung von Photovoltaik-Paneelen werden mehrere kritische Rohstoffe wie Indium benötigt. © Charly Triballeu / AFP
Ein Mann arbeitet an Photovoltaik-Paneelen während der Arbeiten für den Bau der ersten Solarstraße. © Charly Triballeu / AFP

Um digitaler, energieeffizienter und klimaneutral zu werden, benötigt die EU mehr kritische Rohstoffe wie Lithium und Kobalt für die Herstellung von Batterien und Elektromotoren. Diese Technologien ermöglichen die Entwicklung strategischer Sektoren: Energien aus erneuerbaren Quellen, Elektroautos und digitale Technologien.

Durch den grünen sowie den digitalen Wandel wird auch die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen steigen; bis 2050 könnte sich die Nachfrage nach Lithium in der EU bis zum 21-fachen des Wertes von 2020 erhöhen.

Die bereits angespannte globale Versorgungslage wurde durch COVID-19 weiter belastet. Dies hat zu Engpässen bei wichtigen Rohstoffen in Europa geführt und die Industrie vor die Herausforderung gestellt, den Zugang zu Ressourcen zu sichern.

Der russische Krieg gegen die Ukraine und eine zunehmend aggressive chinesische Handels- und Industriepolitik machen Kobalt, Lithium und andere Rohstoffe zu einem geopolitischen Thema.

Umkehrung der Abhängigkeit der EU von Importen

Die EU ist mit Engpässen und Schwachstellen in der Lieferkette konfrontiert, da sie stark von Einfuhren aus einzelnen Quellen abhängig ist und die Zahl der Lieferanten schrumpft.

China produziert derzeit 86 Prozent der weltweiten Versorgung mit Seltenen Erden. Die EU importiert 100 Prozent ihres Bedarfs an schweren Seltenen Erden aus China, 98 Prozent ihres Borbedarfs aus der Türkei und 71 Prozent ihres Platinbedarfs aus Südafrika.

Obwohl China nach wie vor ein wichtiger EU-Lieferant ist, werden einige Rohstoffe aus der EU bezogen. So kommen beispielsweise Kokskohle und Kupfer aus Polen, Arsen aus Belgien, Hafnium aus Frankreich, Strontium aus Spanien oder Nickel aus Finnland.

Im Dezember 2023 gab das Parlament nach einer informellen Einigung mit dem Rat grünes Licht für die Vorschriften zu kritischen Rohstoffen. Der Text soll dafür sorgen, dass mehr Rohstoffe in der EU gewonnen, verarbeitet und recycelt werden.

In den Vorschriften werden einige Richtwerte für den Jahresverbrauch der EU bis 2030 festgelegt:

  • Die EU sollte mindestens zehn Prozent der Rohstoffe, die sie verbraucht, selbst gewinnen;
  • Die EU sollte mindestens 40 Prozent ihres Jahresverbrauchs an strategischen Rohstoffen durch Verarbeitung erzeugen;
  • Die EU sollte in der Lage sein, mindestens 25 Prozent ihres Jahresverbrauchs durch Abfallrecycling zu erzeugen.


Die EU wird außerdem:

  • ihre Bezugsquellen für kritische Rohstoffe diversifizieren und ihre Abhängigkeit von einigen wenigen Drittstaaten verringern;
  • Bürokratie abbauen, mehr Innovationen zulassen und die Rolle von Ersatzprodukten in der Wertschöpfungskette stärken;
  • mehr kleinere Unternehmen unterstützen, wirtschaftliche Anreize für Unternehmen schaffen, in Europa zu investieren und zu produzieren, mehr Forschung und Entwicklung von alternativen Materialien sowie umweltfreundlichere Abbau- und Produktionsmethoden fördern.
  • langfristige strategische Partnerschaften mit Drittländern zur Verbesserung des Wissens- und Technologietransfers, der Ausbildung und der Qualifizierung für neue Arbeitsplätze eingehen.


Bis 2030 sollte kein Drittland mehr als 65 Prozent des jährlichen EU-Verbrauchs an strategischen Rohstoffen liefern, und zwar weder in unverarbeiteter Form noch in irgendeinem Stadium der Verarbeitung.

Recycling von Rohstoffen in der EU

Rohstoffe können aus älteren Produkten recycelt werden. In diesem Fall werden sie als Sekundärrohstoffe bezeichnet. Durch die neue Gesetzgebung wird das Recycling und die Rückgewinnung kritischer Rohstoffe aus dem Bergbau und der Verarbeitung sowie aus gewerblichen Abfallströmen gefördert werden. So sollen ein zuverlässiger, sicherer und nachhaltiger Zugang zu ihnen erlangt sowie der Einsatz von Ersatzrohstoffen erhöht werden.

Erfahren Sie mehr über die Bedeutung und die Vorteile einer Kreislaufwirtschaft.

Der Rohstoffsektor bot 2017 fast 3,5 Millionen Arbeitsplätze in der EU. Der Übergang zu einer stärker kreislauforientierten Wirtschaft könnte bis 2030 zu einem Nettozuwachs von 700.000 Arbeitsplätzen in der EU führen.

Hintergrund

Die Europäische Kommission legte das Gesetz zu kritischen Rohstoffen im März 2023 vor. Das Europäische Parlament nahm den Text der vorläufigen Vereinbarung mit dem Rat in einer Plenarsitzung am 12. Dezember an. Der Rat muss den endgültigen Text förmlich billigen, bevor das Gesetz in Kraft treten kann.