Lebensmittelverschwendung in Europa: Fakten, EU-Maßnahmen und Ziele bis 2030

Lebensmittelverschwendung kostet die EU jedes Jahr mehr als 130 Milliarden Euro und betrifft Millionen von Haushalten. Erfahren Sie mehr über die Ursachen, Folgen sowie die Maßnahmen der EU.

Schätzungen zufolge werden zehn Prozent der Lebensmittel, die den Verbrauchern in der EU zur Verfügung stehen, verschwendet. Andererseits gibt es mehr als 40 Millionen Menschen in der EU, die sich jeden zweiten Tag keine hochwertige Mahlzeit leisten können.

Die Europäische Union will Lebensmittelverschwendung in ganz Europa verhindern und verringern. Das Europäische Parlament beschloss im September 2025 neue verbindliche Reduktionsziele für Lebensmittelverschwendung bis 2030.

Wichtige Fakten und Zahlen für Europa

Jedes Jahr werden in der Europäischen Union etwa 60 Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet. Das entspricht rund 130 Kilogramm pro Einwohnerin und Einwohner.

Haushalte verursachen mehr als die Hälfte der Lebensmittelabfälle in der EU (53 Prozent). Etwa neun Prozent der Abfälle (zwölf Kilogramm pro Kopf) stammen aus der landwirtschaftlichen Erzeugung, weitere 18 Prozent (23 Kilogramm pro Kopf) aus Verarbeitung und Herstellung.

Restaurants und andere Gastronomiebetriebe sind für zwölf Prozent der Abfälle verantwortlich (15 Kilogramm pro Kopf), der Einzelhandel und die Lebensmittelverteilung für weitere acht Prozent (zehn Kilogramm pro Kopf).

Im Jahr 2022 erzeugten Zypern, Dänemark und Griechenland die größte Menge an Lebensmittelabfällen pro Kopf. Am wenigsten Abfälle pro Einwohner verzeichneten Spanien, Slowenien und Kroatien. In Deutschland fielen 129 Kilogramm pro Kopf an, was genau dem EU-Durchschnitt entspricht, während es in Österreich 131 Kilogramm waren.

Warum ist Lebensmittelverschwendung ein Problem?

Viele Menschen empfinden es als moralisch falsch, Lebensmittel wegzuwerfen. Doch die Folgen sind weitreichender: Lebensmittelverschwendung schadet Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft.

Die ökologischen Folgen

Lebensmittelverschwendung ist für etwa 16 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen des EU-Lebensmittelsystems verantwortlich. Weniger Lebensmittelabfälle würden also weniger Emissionen bedeuten und die Klimaschutzmaßnahmen unterstützen.

Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) verursacht die Produktion und der Transport von später weggeworfenen Lebensmitteln rund acht Prozent der weltweiten Emissionen.

Lebensmittelabfälle verbrauchen zudem knappe Ressourcen: So entfallen zwölf Prozent des gesamten Wasserverbrauchs für Produktion und Konsum in der EU auf Lebensmittel, die am Ende weggeworfen werden.

Die wirtschaftlichen Kosten

Lebensmittelverschwendung ist auch ein Kostenfaktor. Haushalte bezahlen für Lebensmittel, die sie nie verzehren. Landwirte und Unternehmen verlieren entlang der Lieferkette Geld, weil ein Teil der Ware im Abfall landet.

Die Kosten der Lebensmittelverschwendung werden auf rund 132 Milliarden Euro Marktwert geschätzt. Hinzu kommen laut Schätzungen der EU-Kommission zusätzliche 9,3 Milliarden Euro für Sammlung und Entsorgung.

Die sozialen Folgen

Auch sozial ist Lebensmittelverschwendung problematisch: Wertvolle Ressourcen gehen verloren, die sinnvoller genutzt werden könnten. In der EU geben Menschen im Durchschnitt 13 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel aus, gemäß Eurostat. Statt verzehrbare Waren zu entsorgen, könnte durch Spenden die Ernährungssicherheit gestärkt und bedürftigen Menschen geholfen werden.

Ursachen für Lebensmittelverschwendung

Verschiedene Akteure entlang der Lebensmittelkette tragen zur Entstehung von Abfällen bei.

Auf Verbraucherebene entstehen Abfälle etwa durch Spontankäufe aufgrund von Sonderangeboten, unangemessene Verpackungsgrößen, fehlende Lagerungsmöglichkeiten, unzureichende Einkaufsplanung oder die Ablehnung von „unschönen“ Obst- und Gemüsesorten.

Auch die Interpretation von Haltbarkeitsangaben ist ein Problem. In der EU gibt es verschiedene Lebensmittelkennzeichnungen. „Mindestens haltbar bis“ (zum Beispiel bei Nudeln, Reis, Konserven, Tiefkühlkost oder Snacks) bedeutet, dass die Produkte nach Ablauf des Datums zwar etwas an Geschmack oder Frische verlieren können, aber weiterhin sicher zu essen sind. „Zu verbrauchen bis“ (zum Beispiel bei Fleisch, Fisch, Salaten oder Milch) hingegen bedeutet, dass die Produkte nach dem angegebenen Datum nicht mehr verzehrt werden sollten. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher verwechseln diese Angaben und werfen Lebensmittel weg, die noch genießbar wären. Laut einer Studie der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2018 könnten bis zu zehn Prozent der jährlichen Lebensmittelabfälle auf Missverständnisse bei der Datumskennzeichnung zurückzuführen sein.

Lebensmittelhersteller verschwenden, wenn sie zu viel produzieren, Lieferketten nicht effizient sind oder Waren falsch gelagert werden. Der Handel trägt bei, wenn Bestellungen storniert oder nur besonders frische Produkte nachgefragt werden.

In der Gastronomie führen standardisierte Portionen und falsch eingeschätzte Gästemengen zu Abfällen.

EU-Lösungen zur Verringerung der Lebensmittelverschwendung

Die Verringerung von Lebensmittelverlusten ist ein zentrales Ziel der EU auf dem Weg zu einer Kreislaufwirtschaft bis 2050.

Verbindliche Reduktionsziele für Mitgliedstaaten

Die Kommission schlug im Juli 2023 eine Überarbeitung der Abfallrahmenrichtlinie vor, um Lebensmittel- und Textilabfälle gezielter zu reduzieren. Dazu gehörten verbindliche Reduktionsziele auf nationaler Ebene bis Ende 2030.

Das Europäische Parlament und die Regierungen der EU-Mitgliedstaaten einigten sich im Februar 2025 auf die Aktualisierung der Rechtsvorschriften. Im September desselben Jahres wurden diese dann vom Parlament verabschiedet.

Bis 2030 soll die Lebensmittelverschwendung im Bereich der Verarbeitung und Herstellung um zehn Prozent reduziert werden. Im Einzelhandel, in Restaurants, im Catering und in privaten Haushalten liegt das Ziel bei einer Reduktion von 30 Prozent, jeweils im Vergleich zum durchschnittlichen Lebensmittelabfall in den Jahren 2021 bis 2023.

„Es ist uns gelungen, praktikable und realistische Vorgaben zu schaffen, die es den Mitgliedstaaten ermöglichen, ihre Strategien zur Verringerung der Lebensmittelverschwendung umzusetzen. Gleichzeitig haben wir sichergestellt, dass die Landwirtschaft nicht negativ betroffen ist“, erklärte Anna Zalewska (EKR, Polen), die im Parlament für die Gesetzgebung verantwortlich war, nach Abschluss der Verhandlungen.

Klare Datumskennzeichnung

Ein weiterer Schritt besteht darin, die Kennzeichnung von Haltbarkeitsdaten klarer zu gestalten. Die Europäische Kommission hat dazu Verbraucherforschung betrieben, um mögliche neue Formen der Datumsangabe zu prüfen und unterschiedliche Verbraucherprofile im Hinblick auf Lebensmittelverschwendung zu entwickeln.

Lebensmittelspenden erleichtern

Auch die Förderung von Lebensmittelspenden ist ein wichtiger Ansatzpunkt, um unnötige Abfälle zu vermeiden. Bereits 2017 wurden entsprechende EU-Leitlinien verabschiedet, um die Rückgewinnung und Weitergabe sicherer, genießbarer Lebensmittel an Bedürftige zu erleichtern.

In den Verhandlungen zur Aktualisierung der Abfallrahmenrichtlinie im Jahr 2025 konnten die Abgeordneten zusätzliche Maßnahmen durchsetzen, die die Spende von unverkauften, aber zum Verzehr geeigneten Lebensmitteln erleichtern sollen.

Einheitliche Messmethoden für Lebensmittelverschwendung

Darüber hinaus wurde 2019 eine gemeinsame EU-Methodik eingeführt, um die Lebensmittelverschwendung auf jeder Stufe der Lebensmittelversorgungskette zu messen. Diese gemeinsame Grundlage erleichtert das Monitoring und die Berichterstattung über Lebensmittelabfälle in der gesamten EU.