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Erasmus - Aufforderung zu einer Reise

Im Jahr 1987 erblickte Erasmus das Licht der Welt. In jenem Jahr konnten 3.000 Studierende ihre Ausbildung an einer anderen europäischen Hochschule verbessern. Im Jahr 2002, 15 Jahre später, wurde die Zahl von einer Million Stipendiaten überschritten. Das zeigte den wachsenden Erfolg dieser Initiative, die vom Europäischen Parlament stets unterstützt wurde und die im Rahmen des allgemeinen Programms Sokrates Nachwuchs bekommen hat: Comenius, Grundtvig, Lingua, Minerva, … Programme, deren Zielsetzungen auszuweiten und deren Mittel aufzustocken, die Abgeordneten immer versucht haben.

Sieben Studierende unterschiedlicher Staatsangehörigkeit bilden für ein Jahr in Barcelona eine Wohngemeinschaft: ein Franzose, ein Italiener, eine Britin, ein Däne, ein Deutscher, eine Spanierin aus Andalusien und eine Belgierin. Sie absolvieren dort dank des Hochschulaustauschprogramms Erasmus ein letztes Studienjahr. Es entsteht eine kleine europäische Gemeinschaft, mit ihren kulturellen Unterschieden, ihren Missverständnissen und ihren Ähnlichkeiten. Dies ist „L’Auberge espagnole“ (deutscher Titel: „Barcelona für ein Jahr“), eine französische Komödie von Cédric Klapisch, die eine sehr konkrete Verwirklichung Europas zum Vorteil der Studierenden, ihrer Öffnung für andere Sprachen und Kulturen schildert.

Das Erasmus-Programm dient dazu, die Mobilität nicht nur von Studierenden, sondern auch von Hochschullehrern zu fördern sowie Studienprogramme, Intensivkurse, fachübergreifende Aktivitäten, die Lehre bestimmter Fächer in anderen Sprachen zu konzipieren und zu realisieren. Erasmus hat auch das Europäische System zur Anrechnung von Studienleistungen (ECTS) entwickelt, das die akademische Anerkennung der in anderen Mitgliedstaaten abgeleisteten Studienzeiten erleichtern soll. Dieses System begünstigt die Mobilität der Studierenden, indem es ihnen die Anrechnung dieser Studienzeiten beim Erwerb von Diplomen ermöglicht.

Unter der Schirmherrschaft von Sokrates

Aufgelegt im Jahre 1987, gehört Erasmus seit 1995 in den größeren Rahmen von Sokrates, ein umfassendes europäisches Bildungsprogramm, das die Grenzen der Union überschreitet und ungefähr 30 europäische Länder einbezieht: die 15 heutigen Mitgliedstaaten, die 10 Beitrittsländer, Bulgarien und Rumänien, die drei Länder des Europäischen Wirtschaftsraums (Island, Norwegen und Liechtenstein) und bald auch die Türkei. Zu Sokrates gehört nicht nur Erasmus, sondern auch Comenius für die Schulbildung, Grundtvik für die Erwachsenenbildung, Lingua für den Sprachunterricht und den Spracherwerb und Minerva für die Fernlehre und die Informationstechnologie.

All diese europäischen Aktionsprogramme ergänzen aufgrund des Subsidiaritätsprinzips die nationalen politischen Maßnahmen: Den Mitgliedstaaten obliegt die Verantwortung für das nationale Bildungswesen und die Lehrpläne, die Union hat die Aufgabe, die Zusammenarbeit zwischen ihnen anzuregen, die europäische Dimension und die gegenseitige Anerkennung von Diplomen zu fördern, die Mobilität der Studierenden und der Dozenten ebenso zu erleichtern wie den Austausch von Informationen und bewährten Praktiken, all dies im Hinblick auf die baldige Schaffung eines europäischen Hochschulraums. Auf diesem Gebiet ist das Parlament zusammen mit dem Rat, das heißt den Regierungen, Mitgesetzgeber und kann sich daher Gehör verschaffen.

Jedoch erreicht Erasmus trotz seines wachsenden Erfolgs noch nicht das vom Parlament bei der Verabschiedung der zweiten Phase des Programms Sokrates 2000-2006 angestrebte Ziel, nämlich eine Teilnehmerquote von ca. 10% der europäischen Studierenden an den von Erasmus vorgesehenen Mobilitätsmaßnahmen. Die Annahme des Programms erfolgte erst nach drei Lesungen im Januar 2000: Das Parlament wollte bis ans Ende des Mitentscheidungsverfahrens gehen, um eine bedeutsame Aufstockung der Haushaltsmittel, die zum Zeitpunkt der Erweiterung überprüft werden können, und eine Vereinfachung der Verwaltungsverfahren zu erreichen. Dem Parlament ist es so gelungen, die Mittelausstattung von Sokrates für den Zeitraum 2000-2006 auf 1,85 Milliarden Euro zu erhöhen, mit einer Revisionsklausel für die Erweiterung. Die Kommission hatte anfangs nur 1,4 Milliarden vorgeschlagen, und der Rat wollte zunächst nicht über 1,55 Milliarden hinausgehen.

Das Parlament hat sich mit Unterstützung der Kommission auch dafür eingesetzt, dass Sokrates ausdrücklich einen Beitrag zur Entwicklung „eines europäischen Bildungsraums“ leistet, aber angesichts der Opposition des Rates, für den dieser Begriff tabu zu sein scheint, mussten sich die Abgeordneten mit dem Hinweis auf die „europäische Dimension im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung“ bescheiden.

Der „Bologna-Prozess“

Im Jahr 1999 hatten jedoch 29 europäische Staaten die „Bologna-Erklärung“ unterzeichnet, die auf die Schaffung eines europäischen Hochschulraums bis zum Ende des Jahrzehnts abzielt. Eine Annäherung der Systeme scheint in der Tat erforderlich zu sein, damit Europa zum „wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt“ werden kann, wie es die so genannte Lissabonner Strategie, die vom Europäischen Rat im März 2000 verabschiedet wurde, verlangt. In Bologna haben sich die Minister auch zu einer Neugestaltung der Studiengänge gemäß der Struktur Abitur + 3, + 5, + 8 (d.h. Bachelor, Master, Promotion) verpflichtet, um die Voraussetzungen zu schaffen, damit die europäische Hochschulbildung in der ganzen Welt eine Anziehungskraft gewinnt, die unseren bedeutenden kulturellen und wissenschaftlichen Traditionen entspricht.

2001 hat der Rat eine Empfehlung zur Freizügigkeit von Personen angenommen. Er forderte insbesondere die Mitgliedstaaten auf, die rechtlichen und administrativen Hemmnisse, die der Mobilität von Studierenden und Dozenten entgegenstehen, zu beseitigen und das Erlernen der Gemeinschaftssprachen zu fördern, um diese Mobilität zu erleichtern. Die Staaten wurden ferner ermutigt, einen „europäischen Raum der Qualifikationen“ u.a. durch die Verwendung der ECTS auf den Weg zu bringen. Alle diese Empfehlungen entsprachen voll und ganz den Wünschen des Parlaments. Dagegen wurden die von den Abgeordneten verlangten steuerrechtlichen und sozialen Maßnahmen nicht berücksichtigt, sodass konkrete Hindernisse für die Mobilität weiterhin existieren können.

Erasmus Mundus

Am Ende der Wahlperiode, im Oktober 2003, konnte das Parlament in erheblichem Umfang zur Auflegung eines neuen Gemeinschaftsprogramms, das der ganzen Welt offen steht, beitragen. Heutzutage entscheiden sich die meisten Studierenden, die an internationalen Austauschprogrammen überall auf der Welt teilnehmen, für die Vereinigten Staaten. Erasmus Mundus zielt darauf ab, mehr von ihnen an die europäischen Hochschulen zu ziehen. Es werden Stipendien für mehr als 4.000 Hochschulabsolventen aus Drittländern (andere Länder als die Staaten der Europäischen Freihandelszone – Island, Liechtenstein und die Schweiz – und die Beitrittskandidaten) und für fast 1.000 Hochschullehrer angeboten. Die Abgeordneten, die dieses Programm sehr positiv aufgenommen haben, haben die Gelegenheit ergriffen, um ihre Idee eines europäischen Hochschulraums voranzubringen, indem sie die Schaffung eines „Erasmus Mundus-Masters“ erreichten, damit den Studierenden ermöglicht wird, an mehreren Hochschulen eine „Europa-Tournee“ zu absolvieren.

Das Parlament hat auch unnachgiebig mit dem Rat um ein höheres Haushaltsvolumen verhandelt. Die Kommission hatte anfangs 200 Millionen Euro für den Zeitraum 2004-2006 vorgeschlagen, und der Rat nur 180 Millionen, Beträge, die von den Abgeordneten für nicht ausreichend gehalten wurden und die sie schließlich auf 230 Millionen aufstocken konnten. Mit diesem Programm soll der europäischen Hochschulbildung nicht nur ein Fenster zur Welt eröffnet, sondern auch der interkulturelle Dialog und das Verständnis zwischen den Völkern gefördert werden.



  
Berichterstatter
  
Mobilität von Studierenden, Lehrkräften und Ausbildern: Robert J.E. Evans (PES, UK)
Programm Sokrates 2000-2004: Doris Pack (EPP-ED, D)
Programm Erasmus Mundus 2004-2008: Marielle De Sarnez (EPP-ED, F)
  
Amtsblatt - endgültige Rechtsakte
  
Mobilität von Studierenden, Lehrkräften und Ausbildern
Programm Sokrates 2000-2004
Programm Erasmus Mundus 2004-2008

 

 

 
  Publishing deadline: 2 April 2004